Motivation

Der Präventionsgedanke führt dem Einzelnen die eigenen Ressourcen vor Augen. Er erkennt, wieviel Potential in ihm selbst steckt, aus dem er schöpfen kann. Eigenverantwortung und Selbständigkeit werden dadurch gefördert und dies wirkt sich wiederum positiv auf das Selbstbewusstsein und das Vertrauen in die eigenen Möglichkeiten aus. Es wird somit Raum geschaffen, Gesundheit und Wohlbefinden dem Menschen selbst in die Hand zu geben.

Emotionen

„Gefühle haben gegenüber dem … rationalen System das erste und das letzte Wort. Das erste beim Entstehen unserer Wünsche und Zielvorstellungen, das letzte bei der Entscheidung darüber, ob das, was sich Vernunft und Verstand ausgedacht haben, auch wirklich getan werden soll.“ sagt Neurobiologe Gerhard Roth. Es sind also Emotionen, die letztlich unser Handeln steuern und, so meint Roth weiter „nur durch Gefühle kann Verhalten verändert werden.“

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Auch die pädagogische Psychologie hat intensiv die Bedeutung der Emotionen für den Lernprozess erforscht. Dabei wurde festgestellt, dass die Vermittlung von positiven Gefühlen und die Betonung einer positiven Lebensqualität den Menschen stark motivieren. Emotionen bestimmen unsere Aktivierung und unsere Antriebskraft. Sie sind also keineswegs passive Zustände, sondern nehmen eine aktive Funktion innerhalb der Handlungskompetenz ein. Des weiteren fördern sie die längerfristige Veränderung von Verhalten und das dauerhafte Abspeichern von Botschaften oder Informationen. So muss beispielsweise das im Kurzzeitgedächtnis befindliche Wissen mit Emotionen besetzt sein, damit es ins Langzeitgedächtnis gelangt., d.h. es muss in irgendeiner Form Interesse oder Begeisterung wecken. Der Erregungsgrad, den Gefühle hervorrufen, beeinflußt den Erinnerungswert von Botschaften.

Lern- und Erziehungskonzepte wenden sich inzwischen ab von der Strategie der Warnung und von furchteinflößenden Appellen. Man weiß, dass besonders selbstbewußte und autonome Menschen mit Widerstand auf Bevormundung reagieren. Bei negativ formulierten Aufrufen wird man vielleicht aufgerüttelt, aber häufig fehlt es an der tatsächlichen Umsetzung. Der Grund dafür ist, dass auf Drohungen basierende Reaktionen Unzufriedenheit hervorrufen – während das Verhalten, das von positiven Emotionen geleitet wird, zu Zufriedenheit führt.

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Freude

Wenn Zahnpflege Freude macht, fällt sie leichter und ist effizienter. Vor diesem Hintergrund ist es von besonderer Bedeutung, den Begriff „Freude“ genauer zu bestimmen und ihn von dem häufig synonym verwendeten Spaßbegriff abzugrenzen. Der Unterschied liegt darin, dass Freude nicht nur als positive Kurzzeitemotion, …

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… sondern als prägende Lebenseinstellung aufzufassen ist. Spaß bleibt ohne tieferen Sinn, ihm liegen passives Erfahren und Konsumieren zugrunde oder die Erwartung, für eine erbrachte Leistung unmittelbar belohnt zu werden. Der Mensch muss dabei nicht an sich oder seiner Umgebung arbeiten. Eben deshalb kann dieses positive Gefühl nicht lange anhalten und verlangt nach immer neuer Befriedigung.

Freude hingegen ist eine Lebenshaltung, die eine konstruktive Tätigkeit voraussetzt. „Echte Freude“, schreibt der Psychoanalytiker Erich Fromm, „ist eine Leistung, nämlich die der produktiven Aktivität.“ Über die Aktivität erfährt der Mensch sich selbst. Sein Selbstbewusstsein wird gestärkt und somit auch der Antrieb zu eigenverantwortlichem Denken und Handeln gefördert. 

Der Ansatz, Freude zu fördern, hat sich in der Entwicklungspsychologie bewiesen und deshalb auch in der Pädagogik durchgesetzt. Hier wird der Fokus auf intrinsisch motivierte Verhaltensweisen gelegt: Verhaltensweisen, die vom Menschen selbst ausgehen. Dazu zählen Neugier, Spontaneität und Interesse. Diese menschlichen Grundbedürfnisse gilt es anzusprechen. Wenn dies gelingt, kann eine hohe Eigenmotivation erzielt werden, die wiederum einen besonders großen Erfolg verspricht.

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Eigenkompetenz

Mensch sein, heißt verantwortlich sein.
(Antoine de Saint-Exupéry)

Ausschlaggebend für eine erfolgreiche Prävention ist das selbstverantwortliche Handeln des Individuums. Dass der Einzelne selbst den entscheidenden Impuls setzt, dass er sein Handeln reflektiert und dementsprechend gestaltet, ist Grundbedingung.

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Für die Prävention bedeutet dies, dass der Mensch sich darüber bewusst ist, dass er selbst maßgeblichen Einfluss auf seine Gesundheit hat. Er lebt eigenverantwortlich, wenn er nicht abwartet, bis Schmerzen entstehen, sondern aktiv wird, bevor eine Behandlung zwingend erforderlich erscheint. Gerade Zahnerkrankungen sind stark verhaltensabhängig und die Achtung und Förderung der Eigenverantwortung ist deshalb ein zentrales, zukunftsweisendes Ziel des zahnmedizinischen Präventionsgedankens.

Dazu sollte man sich darüber im Klaren sein, dass der Weg zur Eigenverantwortung dem Menschen keineswegs widerstrebt, sondern ganz im Gegenteil ein angeborenes Bedürfnis ist. In ihrer Selbstbestimmungstheorie postulieren die Sozialpsychologen Deci und Ryan drei psychologische Grundbedürfnisse. Den Wunsch nach

  • Kompetenz
  • Autonomie
  • sozialer Eingebundenheit

Die Kompetenz bezieht sich auf den Drang des Einzelnen, seine Möglichkeiten und Fähigkeiten einzusetzen, sie genauer kennen zu lernen, ständig zu verbessern und zu erweitern. Das Streben nach Autonomie bezieht sich auf den Willen, für sich selbst verantwortlich zu sein, Entscheidungsfreiheit zu haben und eigenständig zu handeln. Und schließlich versucht der Mensch als Gemeinschaftswesen sein Verhalten so zu gestalten, dass er sich sozial zugehörig fühlt.

Diese Erkenntnisse der Psychologie sind von tragender Bedeutung für die Prophylaxe in der Zahnmedizin, denn das Bestreben, die angeborenen Bedürfnisse zu befriedigen, bestimmt den menschlichen Handlungsmotor. Hierin liegt die stärkste Motivation, nach Neuem zu suchen, sich Herausforderungen zu stellen, hinzu zu lernen und sein Verhalten zu ändern. Deci und Ryan betonen zudem, dass eine Erfüllung dieser Grundbedürfnisse entscheidend für die Gesundheit des Menschen ist. Eigenverantwortung wird also keineswegs als Last empfunden, vielmehr ist ihre Forderung und Förderung essenziell für das seelische Gleichgewicht.

Die Erfahrung von Kompetenz und Autonomie bedingt und stärkt sich gegenseitig. Wird die Wahrnehmung der eigenen Fähigkeiten unterstützt, erhöhen sich das Selbstvertrauen und der Wunsch, selbst Verantwortung zu übernehmen – eben weil das Vertrauen wächst, dass man es selbst tatsächlich schaffen kann.

Ein Mensch, der davon überzeugt ist, für eine Aufgabe ausreichende Kompetenzen zu besitzen und somit eine Selbstsicherheit in sich trägt, entwickelt eine enorme Motivation. Dies verspricht auch eine anhaltende Änderung des Verhaltens.

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Kleine Schritte

Negativ formulierte Ziele wie „Ich werde nie wieder …“ sind kontraproduktiv. Stattdessen sollte man ein positives Leistungsziel formulieren: „Ich möchte gerne …“.

Außerdem sollte der Blick immer nach vorne gerichtet sein. Erfährt man einen Rückschlag, hat man vielleicht einmal beim essen „gesündigt“, sollte man diesen Rückfall auch schnell wieder abhaken. Die Energie soll schließlich nicht unnötig für Reue verbraucht, sondern wieder voll für den nächsten Schritt eingesetzt werden.

Es geht darum, ein gesundes Maß zu finden: eine Ausgewogenheit zwischen Anspruch an sich selbst und der Erholung bzw. Belohnung auf der anderen Seite. Der Präventionsgedanke fordert also keineswegs einen asketischen Lebensstil, der Weg zur nachhaltigen Verhaltensänderung führt vielmehr über die positiven Erfolgserlebnisse, die man erfährt, wenn man kleine Schritte tut. 

Wie Untersuchungen zur Motivationspsychologie zeigen,  bringen Menschen dann bessere Leistung, wenn sie sich konkrete und vor allem realisierbare Ziele setzen. Kleine Handlungsschritte führen zu einer ganzen Reihe von Erfolgen in kurzer Zeit. Freude, Motivation und Wohlbefinden werden dadurch bestätigt und bestärkt.

Ziele

Ein Ziel ist etwas, das wir ganz bewusst erreichen wollen, das uns konkret motiviert und automatisch das Ergebnis ins Blickfeld rückt. Dabei wird der Effekt von vier Variablen beeinflusst:

  1. Die Zielbindung, d.h. die Person traut sich das Ziel zu und identifiziert sich damit
  2. Die Rückmeldung, die die Angemessenheit der Vorgehensweise bestätigt und positive Emotionen unterstützt
  3. Die Aufgabenstruktur, die ein großes Ziel in einzelne, klar formulierte Zwischenziele unterteilt
  4. Die Selbstwirksamkeit, die das Vertrauen in die eigene Person widerspiegelt, das durch das Erreichen von Zielen enorm gesteigert wird

Es ist also zunächst wichtig, Schritte zu konkretisieren, die man sich selbst zutraut oder die auf einen zugeschnitten sind. Dabei können die spezifischen Nahziele durchaus eine Herausforderung darstellen. Die Bewältigung anspruchsvoller Schritte wirkt sich sehr positiv auf das Selbstwertgefühle aus und fördert dadurch wiederum die Motivation und das Vertrauen in die Eigenkompetenz.